Die Zitadelle Kuelap, Entdeckungen im Norden von Peru

Nord-Peru ist bisher noch nicht sehr bekannt, aber das wird sich sehr schnell ändern.

In den letzten zwei Jahren hat die peruanische Regierung erkannt, dass der Machu Picchu keine zusätzlichen Touristen mehr aufnehmen kann und dass auch Orte wie der Titicaca-See bei zu viel Touristen seine Identität verliert. Deshalb wird jetzt mehr dezentralisiert und der Norden mehr hervorgehoben.

Gocta Peru

Wasserfall Gocta, Photo: Audrey Courtand

Und das ist auch gut so ! Denn im Norden Perus befinden sich zahlreiche Prä-Kolombianische Zivilisationen, die uns in Europa noch nicht einmal bekannt sind ! Einige der höchsten Wasserfälle der Welt ebenso ! Mal davon abgesehen, dass die Biodiversität und die Klimazonen von der Wüste an der Nordküste über die Anden (tiefer gelegen als im Süden) bis in den Dschungel reicht.

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Chan Chan, Photo: Audrey Courtand

Es gibt also sehr viel zu entdecken. Als archäologisches Beispiel sei die grösste, je aus Adobe (Erdziegeln) gebaute Stadt Chan Chan genannt, die sich in der Nähe von Trujillo befindet, oder eines der besten Museen Südamerikas, das Museum Tumbas Reales in Chiclayo, das den Ausgrabungen der Pyramide des Herrschers von Sipan gewidmet ist und Tausende von Gold- und Silberschmuckstücken, religiöse Elemente, Keramik und fein gewebte Stoffreste ausstellt.

Kuelap-Chachapoya-Peru

Kuelap, Photo: Audrey Courtand

Aber heute möchte ich über Kuelap reden, die Zitadelle der Chachapoya-Krieger (auch die Wolkenkrieger genannt), die sich auf 3 000 m Höhe in der Anden-Region Amazonas im Norden von Peru befindet.

Kuelap wird als der „Machu Picchu des Nordens“ bezeichnet, weil es einer der wichtigsten archäologischen Orte des Nordens ist. Mit einer Ausdehnung auf fast 7 ha, Mauern, die bis zu 20 m hoch die befestigte Stadt umgeben und einer geschätzten Einwohnerzahl von bis zu 3 000 Einwohner zu Hochzeit steht Kuelap tatsächlich dem Machu Picchu in nichts nach !

Ausserdem ist Kuelap wesentlich älter – die Zitadelle wurde zwischen 500 und 800 nach JC von der Chachapoya-Zivilisation erbaut und bis in die Jahr 1432 von den Chachapoya bewohnt, bevor die Inka die Region Amazonas eingenommen haben.

Kuelap ist auf zwei Etagen angelegt, auf denen sich über 400 Rundhäuser mit Strohdächern befunden haben. Die Chachapoya bauten Rundhäuser, da diese besser den Erdbeben widerstehen und auch der Regen besser abläuft. Wenn man davon ausgeht, dass in jedem Rundhaus eine Familie von 5 – 8 Personen gewohnt hat, weiss man, dass Kuelap stark bevölkert war !

Kuelap-Chachapoyas-Peru

Kuelap, Photo: Audrey Courtand

Im Inneren des Hauses gab es einen Mahlstein, den „Tunnel“, in dem die Meerschweinchen gehalten wurden (ich weiss, das ist schwer zu verstehen, aber Meerschweinchen waren und sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Bevölkerung in den Anden), aber auch das Grab des letzten Familienoberhauptes.

Das Beerdigungs-Ritual der Chachapoya-Krieger ist in der Tat interessant und wird in zwei Etapen durchgeführt. Zuerst wird der Körper des Toten vergraben, bis er verwest ist. Dann werden die Knochenreste zu einem Bündel verknotet, in einen Baumwollsack gesteckt, auf den aussen ein Gesicht gemalt wird. Dieses Mumien-Bündel wird dann im Haus der Familie aufbewahrt. Die Chachapoya glaubten an die Wiedergeburt, insofern macht es durchaus Sinn, den Toten in der Erde, der „Pachamama“ zu begraben und auf seine erneute Geburt zu warten. Grabbeigaben waren demnach Keramiktöpfe, Stoffe und Musikinstrumente wie Flöten oder Muscheln.

Kuelap-Chachapoya

Kuelap, Photo: Philippe Capel

Von aussen waren die Häuser der Chachapoya mit zigzag-förmigen Formen dekoriert, die die Gottheiten der Chachapoya darstellten: rautenartige Puma-, Schlangen- oder Kondor-Augen.

Die Mauern, die Kuelap umgeben, haben ein Steinvolumen von mehr als 708 000 m3, im Vergleich dreimal so viel wie die Keops-Pyramide in Ägypten. Die Architekten von Kuelap hatten Hunderte von Spezialisten, Steinmetzen, Maurern sowie Wasser-, Stein- und Schlammträger unter sich. Ausserdem war eine Vielzahl von Landwirten dazu da, genügend Lebensmittel für all diese Arbeiter zu produzieren

Die ersten Ausgrabungen in Kuelap stammen aus dem Jahre 1979, aber signifikative Funde wurden durch die Forschungsarbeiten internationaler Archäologie-Teams (unter anderem China und Japan) 1997 und 1998 gemacht. Zum heutigen Zeitpunkt sind erst 20% der Zitadelle erforscht, d.h. es gibt ncoch sehr viele Fragen ohne Antwort… Aber das trägt ja noch zusätzlich zur einzigartigen mystischen Ausstrahlung von Kuelap bei !

Seit März 2017 wurde die erste Seilbahn Perus hier in der Region Amazonas eingeweiht. Sie bringt sie innerhalb von 20 Minuten vom Dorf Nuevo Tingo zum Parkplatz von La Malca. Von dort aus sind es noch 2 km zu Fuss und Sie befinden sich direkt vor der hohen Hauptmauer von Kuelap. Wann kommen Sie ?

Artikel von Martina Capel

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